GEFRAGT?!GESAGT mit Marcel Lewerenz

GEFRAGT?!GESAGT mit Marcel Lewerenz

 

| Teil 3 der Interviewserie mit dem nächsten echten PSV-Urgestein, der fleischgewordene „Torpfosten“ |

Corona hier, Corona da – uns allen fehlt der Fußball als Live-Erlebnis im Stadion. Und vielen fällt bestimmt auch das eine oder andere Mal die Decke auf den Kopf. Wir wollen die fußballfreie Zeit nutzen, um Euch die Gesichter im Verein, die oft im verborgenen Arbeiten aber mit Leib und Seele dabei sind, etwas näher vorzustellen und starten heute mit einer hoffentlich für alle kurzweiligen Serie.

Bei GEFRAGT?!GESAGT sprechen wir mit den Leuten, die dem PSV schon seit Jahren begleiten und die damit ihren Beitrag zur positiven Entwicklung beitragen. Und weiter gehts mit dem nächsten Urgestein: Marcel „Lewe“ Lewerenz. Viel Spaß beim Lesen.

Hallo Marcel, Du bist ja auch schon lange beim PSV und spielst mit 39 Jahren immer noch als Torwart bei den 1. Herren. Erzähl doch mal bitte, wie Du zum PSV gekommen bist!

Ja, ich war nicht von Anfang an beim PSV, sondern habe damals bei der TSG Wismar angefangen, Fußball zu spielen. Da hab ich sogar draußen im Feld gespielt, hatte aber meistens einen Spieler vor mir, sodass ich nicht so viel zum Einsatz kam. In der D-Jugend hat mir das nicht mehr gefallen und ich bin dann durch Zufall irgendwie zum PSV gekommen. Hier war Bernd Riemann mein erster Trainer. Da seinerzeit beim PSV ein Torwart fehlte, wollte er mich mal im Tor ausprobieren. Ich habe meine Sache wohl ganz gut gemacht und bin dann Torwart bis heute geblieben. Liegt bestimmt an den Genen, denn mein Vater war Handballtorwart (und lacht).

Aber Dein Vater hat sicher nicht solange im Tor gestanden, Du könntest doch auch locker „Alte Herren“ spielen?

Mein Ziel ist es, noch bis 40 zu spielen, wenn es die Kochen mitmachen. Das wäre noch eine weitere Saison. Danach werde ich wahrscheinlich „Alte Herren“ spielen, wo es ruhiger zugeht und nicht mehr dieses Niveau ist, was jetzt tatsächlich bei uns in der 1. Herren abverlangt wird. Aber noch ist es reizvoll, mich immer wieder neu zu beweisen.

Du spielst schon sehr lange im Herrenbereich und hast in den letzten Jahren mehrere Aufstiege, aber auch einige Abstiege erlebt. Wie hast Du diese Zeit empfunden und wie bewertest Du die Entwicklung seit damals?

Also für mich hat sich der PSV in den letzten Jahren hervorragend entwickelt. Wir haben hier eine kontinuierliche gute Nachwuchsarbeit, sodass quasi immer wieder Nachwuchsspieler den Sprung in die 1. Herren schaffen. A-Jugendliche werden frühzeitig in das Training der Herren integriert. Damit fällt der Übergang dann nicht so schwer. Ich selbst habe damals direkt den Sprung von der A-Jugend in die 1. Herren geschafft. Ich glaube, der Trainer hieß damals Heiko Gotschke. Der größte Erfolg war für mich der Aufstieg mit Eckart Jesko in die Verbandsliga. Dazu kommt natürlich auch das Double mit Danny Pommerenke, wo wir Landesklassenpokalsieger geworden sind (leider gibt es den Pokal nicht mehr) und wir wieder in die Landesliga aufgestiegen sind.

Aktuell können wir ja coronabedingt kein Trainings- und Spielbetrieb durchführen. Wie verbringst Du eigentlich die fußballfreie Zeit und womit hältst Du dich fit?

Ganz so fußballfrei ist die Zeit nicht. Unser Trainer, Marco Rohloff,  gibt uns Trainingsaufgaben per WhatsApp auf, die wir über die Woche erledigen sollen, wie z. B. lange Läufe, Kraft- und Stabi-Training. Wir machen sogar gemeinsame Videokonferenzen mit dem Team. Das motiviert dann doch besser als immer nur Individualtraining. Man sieht seine Leute so regelmäßig, kann sich unterhalten und das macht 100-prozentig mehr Spaß.

Aber natürlich bleibt mehr Zeit mit der Freundin und mit den Kindern. Viel kann man ja gemeinsam auch nicht unternehmen, seitdem quasi alles geschlossen ist. Manchmal kommt so dann doch schon die Langeweile zu Hause, denn die Kinder werden älter und haben ihre eigenen Interessen.

Ich habe gehört, dass Du vorhast, ein Haus zu bauen. Ist das jetzt vielleicht so ein Punkt, an dem man selber feststellt: Es geht auch ohne aktiven Fußball?

Klar, merkt man die Knochen und es fällt schwerer alle Workouts vom Trainer konsequent durchzuziehen. Aber wenn Du lange nicht auf dem Platz gestanden hast, dann kribbelt es in den Beinen und Du fragst Dich, wann geht es endlich wieder los. Und der Ehrgeiz ist immer noch da, auf diesem Niveau zu spielen. Daher wird es mir auch schwerfallen, aufzuhören. Aber wechseln in eine niedrige Klasse reizt mich auch nicht. Ich könnte mir eher vorstellen, eine Funktion beim PSV zu übernehmen. Vielleicht mit jemandem zusammen eine Mannschaft betreuten oder irgendwelche anderen Funktion. Reden kann man über alles.

Und man wird sehen, was passiert, wenn der Hausbau richtig losgeht. Aber da ich das Haus gemeinsam mit meinem Bruder Ole und meinen Eltern baue, wird es hoffentlich nicht ganz so stressig. Alle wissen, dass ich Fußball über alles liebe. Wenn ich dir sage, Fußball geht vor, dann meine ich das auch so.  Ich brauche den Fußball als Ausgleich, was nicht heißen soll, dass ich beim Hausbau nicht kräftig mit anpacke.

Zum Abschluss interessiert mich noch, wo wird die Reise für den PSV und den Wismarer Fußball insgesamt hingehen?

Also speziell für den PSV muss ich sagen, wenn weiter so konsequent gearbeitet wird ohne es zu übertreiben, bestehen richtig gute Chancen weiter voran zu kommen. Ziel muss es für den PSV sein, die 1. Herren auf jeden Fall in der Landesliga fest zu etablieren. Vielleicht besteht auch noch einmal die Chance in die Verbandsliga aufzusteigen. Im Fußball sieht man ja leider, wie schnell es auch wieder nach unten geht. Ich hoffe, dass es beim PSV nie passiert, weil wir eigentlich immer mit klarem Kopf und Verstand an die Aufgaben gehen.

Ich hoffe, dass Du Recht behältst, und bedanke mich für das Gespräch Lewe.